Positiv denken

  

Die vergangenen Wochen hatten es wieder in sich. Die politischen Debatten rund um die Großraubtiere, die Herausforderungen in der Schule, die langen Wartezeiten in den Krankenhäusern, die Eintrübung der Wirtschaftssituation und der fortschreitende Klimawandel haben an Fahrt aufgenommen. Das mag zum Großteil mit der bevorstehenden Landtagswahl am 22. Oktober 2023 zu tun zu haben, aber die Gründe liegen tiefer: Schlecht geschriebene Gesetze, Bürokratieverstrickung, Digitalisierungsrückstand, noch immer zu hohe Preise, die Energiekostenexplosion, Fachkräftemangel, Nachfrageausfall in bestimmten Sektoren und das fortschreitende Mittelmaß in den höchsten politischen Ämtern haben sich zu einem giftigen Cocktail entwickelt und befeuern die Diskussion. Zu Recht, denn diese Themen sind nicht abstrakt, sondern betreffen uns alle. Die politische Nonchalance, also die politische Beiläufigkeit bzw. Unbekümmertheit, trägt schließlich dazu bei, dass sich die Spirale immer weiter dreht. 

 

Das hat konkrete Auswirkungen, die wir alle spüren. Ein Eigenheim aus eigenem Einkommen zu finanzieren, ist für viele Menschen fast unmöglich geworden. Ohne die finanzielle Mithilfe der Eltern ist an ein solches Lebensprojekt, das den glücklichen Lebensmittelpunkt für so viele Menschen darstellt, oft nicht mehr zu denken. Zwar wurden die Kriterien für die Wohnbauförderung angepasst, aber das reicht wohl noch nicht aus. Eine bezahlbare Wohnung zu finden, ist in bestimmten urbanen Zentren ebenfalls schwierig geworden. Darüber hinaus sind die Lebenspreise immer noch zu hoch und die Inflation macht das Leben generell teurer. Das bekommen vor allem jene Mitmenschen zu spüren, die zu den Schwächsten in unserer Gesellschaft zählen. Ich habe mitunter den Eindruck, dass sie durch den Rost fallen. Die Rede geht von den Seniorinnen und Senioren, den Alleinerziehenden und vielen Frauen, die sich mitunter über viele Jahren den Bedürfnissen der Kinder gewidmet haben – um nur einige zu nennen. Die Liste ließe sich beliebig fortführen. Doch während auf Gemeindeebene versucht wird, die gröbsten Auswirkungen durch gute und bürgernahe Verwaltungsarbeit zumindest zum Teil aufzufangen, ist der Abstand zum hohen Haus in Bozen und dem großen Verwaltungsapparat schon größer. Leider! Da braucht es ein Umdenken!

 

Ganz problematisch ist auch das Gefühl des Sicherheitsverlustes. Wenn unsere Bauern ihre Almtiere schon mitten im Sommer abtreiben, weil sonst die Wölfe eine blutige Spur des Todes ziehen, dann ist dringender Handlungsbedarf angesagt. Gouverneur Arno Kompatscher hat am vergangenen Samstag, den neunten September 2023, das Abschussdekret für zwei Wölfe unterzeichnet. Innerhalb von 60 Tagen können im Raum Mühlwald, Terenten, Lappach und Umgebung die beiden Tiere entnommen werden. Ob das Dekret aber auch ausgeführt werden kann, wird sich zeigen, da die Tierschützer bereits Widerstand und einen gerichtlichen Rekurs angekündigt haben. Die beiden Lager stellen sich dabei unversöhnlich gegenüber und eine normale Diskussion ist schlicht nicht mehr möglich. Und was mich am meisten ärgert: Niemand hat es bislang für nötig befunden, mit den von den Wolfsrissen direkt betroffenen Bauern zu reden. Dass diese Menschen enttäuscht sind, darf nicht verwundern. Das gleiche gilt für Pöbeleien in den öffentlichen Verkehrsmitteln, in öffentlichen Räumen, bis hin zu Attacken und Freibadschlägereien. Das alles lässt sich mit dem Gefühl eines Sicherheitsverlustes gleichsetzen. Darauf müssen zügig konkrete Antworten gefunden werden. Und zwar nicht nur für den Wahltag am 22. Oktober 2023, sondern dauerhaft!

   

 

Ihr Reinhard Weger
     

 

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