Gegen Gewalt aktiv vorgehen

  

Derzeit hört man immer wieder, dass der Ton gegenüber Vertretern der Exekutive, aber auch gegenüber Zivilschützern, politischen Akteuren, Beamten und generell gegenüber Uniformträgern rauer wird. Auch bei uns. Das reicht von verbalen Pöbeleien, wüsten Beschimpfungen, böswilligen Verleumdungen, argen Beleidigungen, bis hin zu Drohungen und körperlichen Attacken. Sogar von gezielten Aktionen ist die Rede. Das hat nun Folgen. Derzeit führt der neue Quästor von Bozen, Paolo Sartori, eine Abschiebung nach der anderen durch. Im jüngsten Aggressionsfall soll einem Polizisten sogar ein Arm gebrochen worden sein. Es ist jedenfalls unannehmbar, dass Amtspersonen, die für die Einhaltung der Gesetze sorgen sollen, systematisch Beleidigungen und Gewalt ausgesetzt werden. 

 

Tatsache ist auch, dass wir einen Verlust von Anerkennung, Respekt und Menschlichkeit zu verzeichnen haben. Viele nehmen nicht mehr wahr, dass es vor allem jene Menschen trifft, die sich für die Allgemeinheit Tag und Nacht einsetzen. Diese Arbeit wird aber oft zu wenig thematisiert, was dazu führt, dass eine große Erwartungshaltung an den Tag gelegt wird. Zum Teil werden Erwartungen geschürt, die gar nicht erfüllt werden können. Es wird oft auch kein Unterschied mehr gemacht zwischen ehrenamtlicher und bezahlter Arbeit für die Allgemeinheit. Die öffentliche Hand wird oft als reiner Dienstleister, andere sagen auch „Melkkuh“, gesehen. Staat, Gemeinde oder Bezirksgemeinschaft sollen vor allem dafür sorgen, dass es „mir“ gut geht, möglichst besser und am besten auch ganz schnell! „Die anderen dürfen ruhig außen vorbleiben“, denken viele. Und wenn es einmal nicht schnell genug geht, dann wird der Wüterich hervorgeholt. Dieser kommt dann bei jeder sich bietenden Gelegenheit zum Einsatz. Denn offenbar zeigt das ja „Wirkung“. 

 

Es ist an der Zeit, dass derartigem Gehabe Einhalt geboten wird. Denn die Hemmschwelle ist heute schon wesentlich niedriger und sinkt immer weiter. Wenn Grenzen überschritten werden, muss gegengesteuert werden. Auch wenn die Attacken oft weniger der Person, als vielmehr deren Amt bzw. Funktion gilt. Es ist aber immer der Mensch, der dahintersteht. Darüber hinaus ist die Realität oft viel komplexer und vermeintlich „einfache Lösungen“ gibt es in der Regel gar nicht. Oft wird unsagbarer Quatsch dahergeredet, weil sich kaum jemand die Mühe macht, die Zusammenhänge zu ergründen. Zudem spielt bei derartigen unwürdigen Auswüchsen meistens übermäßiger Alkoholkonsum eine Rolle. 

 

Damit sind wir auch schon beim Thema, wie man derartige Unsitten eindämmen kann. Da verstärkt Un- und Halbwissen eine Rolle spielt, braucht es mit Sicherheit ein Mehr an politischer und gesellschaftlicher Bildung in den Schulen. Und zwar verpflichtend für alle! Darüber hinaus braucht es eine konsequente Anwendung der Gesetze und – wenn nötig – deren Verschärfung. Es braucht aber auch den Schutz jener Menschen, die für die Allgemeinheit tätig sind. Denn es kann nicht sein, dass diese um ihre Unversehrtheit fürchten müssen, nur weil einige wenige die grundlegenden Regeln eines zivilisierten Miteinanders in den Wind schießen. Und zum Schluss braucht es auch mehr Zivilcourage. Denn ohne die Zivilcourage des Einzelnen sind die Rechtstitel des Gesetzes nichts anderes als eine Ansammlung wirkungsloser Werte, wie schon der deutsche Dichter Erich Limpach vor geraumer Zeit erkannte. Das gilt noch heute! 

     

      

Ihr Reinhard Weger
     

 

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