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Die aktuelle Ausgabe der PZ‑Pustertaler Zeitung!

Ausgabe 2026/9
Veröffentlicht: 29. April 2026

Aktuelle Themen:

  • Tourismus:
    Zwischen bewährten und neuen Wegen
  • Brigitte Bonato:
    Sie hatte den Mut, immer neu anzufangen
  • Klaus Graber: “Artensterben und
    Lebensraumverlust schreiten voran
  • Curling: Einfach historisch!
  • Welsberg: Laufen für den guten Zweck

Kommentar _ Ausg. 9–2026

Tourismus am Scheideweg

 

Der Südtiroler Tourismus steht an einem Punkt, an dem sich entscheidet, ob er weiterhin als Erfolgsgeschichte erzählt werden kann oder zunehmend zum Streitfall wird. Die Diskussionen machen deutlich: Die Zeit der einfachen Antworten ist vorbei. Über Jahrzehnte hinweg hat sich die Branche nämlich beeindruckend entwickelt. Qualität, Internationalität und Professionalität haben ein Niveau erreicht, das einst als fern und unerreichbar galt. Doch mit diesem Erfolg sind auch Probleme gewachsen, die sich nicht mehr überhören lassen. Verkehrsbelastung, steigende Immobilienpreise, der Druck auf Lebensraum und die zunehmende Verbauung prägen vielerorts das Bild. Die kritischen Stimmen in der Bevölkerung sind daher kein Zufall und müssen ernst genommen werden.

 

Dabei verweist der Tourismus gerne auf die Komplexität der Ursachen – und nicht zu Unrecht. Mobilität etwa ist ein gesamtgesellschaftliches Thema. Doch wer eine Region wirtschaftlich so stark prägt, kann sich nicht darauf zurückziehen, nur ein Teil des Problems zu sein. Verantwortung lässt sich nicht relativieren, sie muss vielmehr aktiv übernommen werden. Besonders deutlich wird das derzeit beim Thema Wachstum. Während politisch ein Bettenstopp signalisiert wird, stehen gleichzeitig zahlreiche Projekte im Raum, die auf sogenannten „erworbenen Rechten“ beruhen – also auf bereits genehmigten Betten und Bauvorhaben aus der Vergangenheit. Für die betroffenen Betriebe ist es nachvollziehbar, dass sie auf diesen Rechten bestehen. Für die Bevölkerung hingegen entsteht der Eindruck, dass Begrenzung zwar angekündigt, in der Praxis aber unterlaufen wird. Das Ergebnis ist ein wachsendes Misstrauen gegenüber politischen Entscheidungen und deren Konsequenz.

 

Dieses Spannungsfeld zeigt ein grundlegendes Problem: Es fehlt eine klare, langfristige Linie. Maßnahmen wirken oft halbherzig, unausgereift oder widersprüchlich. Der Bettenstopp wird zum Symbol dafür und ist mehr Verunsicherung als Steuerungsinstrument. Gleichzeitig geraten gerade jene Strukturen unter Druck, die lange als Stärke des Landes galten: kleinräumige, gewachsene Betriebe, die für Authentizität stehen, während großdimensionierte Projekte zunehmend kritisch gesehen werden. Auffällig ist darüber hinaus, dass die Branche selbst beginnt, ihre Entwicklung kritischer zu reflektieren. Warnungen vor Übertreibung, vor dem Verlust an Identität und vor einer Entfremdung zwischen Tourismus und Bevölkerung kommen längst nicht mehr nur von außen. Wenn selbst Insider Zweifel äußern, ist das ein deutliches Signal, dass die Grenzen des bisherigen Modells erreicht sind.

 

Und dennoch bleibt die zentrale Frage unbeantwortet: Wohin soll die Reise gehen? Zwischen dem Festhalten am Bewährten und dem Ruf nach neuen Wegen klafft eine strategische Lücke. Es mangelt nicht an Diskussionen oder Problembewusstsein, wohl aber an klaren Entscheidungen. Dabei wäre die Richtung im Grunde vorgezeichnet: weniger Größenwahn, mehr Maß, weniger kurzfristige Expansion und mehr langfristige Verantwortung. Ein Tourismus, der die eigene Bevölkerung nicht nur mitträgt, sondern aktiv einbindet.

 

 

Ihr Reinhard Weger

PZ-Aktuell – News

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