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Die aktuelle Ausgabe der PZ‑Pustertaler Zeitung!

Ausgabe 2026/19
Veröffentlicht: 23. September 2026

Aktuelle Themen:

  • Tourismus, Über-Tourismus und neue Großprojekte:
    Wie viel Tourismus verträgt das Land?
  • Radio Holiday: Angeregte Debatte über Tourismus
  • Albert Willeit: Für ihn ist weniger mehr
  • HC Pustertal Junior:
    Erfolgreiche Saison als Basis für die Zukunft

Kommentar _ Ausg. 19–2026

Wenn Wachstum an Grenzen stößt

 

Wir leben vom Tourismus. Das ist keine neue Erkenntnis und auch keine, die man infrage stellen sollte. Die Branche schafft Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Wohlstand und ist ein wichtiger Bestandteil der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Identität des Landes. Doch gerade weil der Tourismus so bedeutend ist, muss die Frage erlaubt sein, wohin seine Entwicklung führt.

 

Mehr als 38 Millionen Nächtigungen im Jahr 2025 sind eine beeindruckende Zahl. Sie sind aber auch ein Anlass, genauer hinzusehen. Denn Tourismus findet nicht irgendwo statt, sondern mitten in unseren Dörfern und Städten, auf unseren Straßen, Wanderwegen und Bergen. Er braucht Wohnraum, Wasser, Energie und Infrastruktur – und beansprucht damit Ressourcen, die nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen. Die aktuelle Diskussion über die großen Hotelprojekte in Reischach zeigt, wie grundsätzlich die Frage inzwischen geworden ist. Es geht nicht mehr allein darum, ob ein Projekt rechtlich möglich ist. Es geht darum, ob Größe und Auswirkungen eines Vorhabens noch zu einem Lebensraum passen, der bereits heute stark vom Tourismus geprägt ist.

 

Damit kommt auch die Frage der Transparenz ins Spiel. Gerade wenn politische Verantwortung und private wirtschaftliche Interessen aufeinandertreffen, braucht es eine ganz besonders verantwortungsbewusste Herangehensweise. Das bedeutet nicht automatisch, dass etwas falsch gelaufen ist. Aber je größer die Projekte und je näher öffentliche Entscheidungen und private Interessen beieinanderliegen, desto wichtiger sind nachvollziehbare Zuständigkeiten, Offenlegung und Kontrolle.

 

Dabei wäre es zu einfach, den Tourismus zum Verursacher aller Probleme zu erklären. Auch aus den Reihen der Touristiker kommt die Bereitschaft, über Belastungsgrenzen und Lösungen zu sprechen. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass der Tourismus selbst in Infrastruktur und Angebote investiert, die auch der einheimischen Bevölkerung zugutekommen. Genau hier liegt der entscheidende Punkt: Die Diskussion braucht weniger Gegensätze und vor allem mehr Ehrlichkeit.

 

Die entscheidende Frage lautet daher: Welche Art von Tourismus wollen wir? Einen Tourismus, der möglichst viele Betten und Nächtigungen produziert? Oder einen Tourismus, der wirtschaftlich erfolgreich bleibt und gleichzeitig Rücksicht auf Landschaft, Ressourcen, Infrastruktur und heimische Bevölkerung nimmt? Dafür braucht es nachvollziehbare Entscheidungen. Wer ein großes Projekt genehmigt, sollte auch offenlegen, welche Auswirkungen auf Verkehr, Wasser, Energie, Landschaft und öffentliche Infrastruktur zu erwarten sind. Transparenz ist dabei kein Hindernis für Entwicklung. Sie ist eine Voraussetzung dafür, dass Entwicklung von der Bevölkerung mitgetragen wird. Denn die Zukunft des Tourismus entscheidet sich nicht an der Frage, ob wir weiter wachsen, sondern daran, ob wir rechtzeitig erkennen, wo Wachstum seine Grenzen erreicht und ob die Menschen nachvollziehen können, wie diese Entscheidungen getroffen werden.

 

   

Ihr Reinhard Weger

PZ-Aktuell – News

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